Ein Haus aus Stroh macht nicht nur den Bauern froh
Ein Haus aus Strohballen - das gibt’s doch nur im Märchen und unwillkürlich fällt einem die Geschichte von den drei kleinen Schweinchen ein. Diese hatten sich scheinbar schon damals dem ökologischen Hausbau verschrieben, denn eines baute ein Haus aus Stroh, das andre aus Holz und das dritte aus Lehm. Leider scheinen den ersten beiden beim Bau ein paar Konstruktionsfehler unterlaufen zu sein. Damit es Ihnen nicht ähnlich ergeht hier ein paar Informationen.
Schon seit langem baut man Häuser, in denen Stroh mit Lehm vermischt wird. Vor einigen Jahren hat sich vor allem in baumarmen Regionen der Vereinigten Staaten von Amerika eine neue Variante des Hausbaus etabliert – das Strohballenhaus. Auch hier zu Lande findet es immer mehr Anhänger.
Zunächst wird ein Rahmen aus Holz errichtet, anschließend die Wände mit den Strohballen ausgepolstert und zu Abschluss mit Lehm verputzt. Auf diese Weise entsteht ein Haus mit gesundem Wohnklima auf höchster ökologischer Stufe.
Vorteile nicht nur für den Bauherren
Die Vorteile liegen nicht nur für die Bauherren auf der Hand. Für Landwirte, ergeben sich zusätzliche Ertragsquellen. Statt das Stroh zu entsorgen, da es in der Viehzucht kaum noch Verwendung findet, kann es als wertvoller nachwachsenden Rohstoff benutzt werden. Für den Hausbauer bietet Stroh einen relativ günstigen Rohstoff, der leicht und schnell zu verarbeiten ist. Strohballenhäuser stehen anderen ökologischen Bauweisen wie Lehm- oder Holzblockhäusern weder beim Lärmschutz noch in den Wärmeschutzwerten nach. Es lassen sich sogar Passivhäuser aus Strohballen bauen. Der Umwelt kommt das im Stroh gebundene CO2 zu Gute, das durch einen Hausbau für lange Zeit gebunden bleibt. Es wird damit nicht mehr freigesetzt, wenn das Stroh als Brennstoff verwendet wird oder verrottet.
Weizenstroh dient als Baumaterial
In der Regel kommt Weizenstroh zur Verarbeitung für Strohballenhäuser. Um das gesunde Wohnklima zu gewährleisten, sollte es selbstverständlich sein, dass beim Anbau keine giftigen Chemikalien zum Einsatz kamen. Diese würden während der nächsten Jahre über das Stroh in den Wänden wieder ausgedünstet werden.
Für die Baugenehmigung sollten Sie sich vorab mit einigen Informationen zum Thema Dämmschutz und Brandschutz vertraut machen. Es ist erwiesen, dass Stroh im gepressten Zustand schwer entflammbar ist. Eine Wand aus gepresstem Stroh widersteht mindestens 30 Minuten den Flammen. Dies ist vor allem darauf zurück zu führen, dass dem gepressten Stroh der Sauerstoff fehlt. Somit entspricht dieser Baustoff der Kategorie „schwer entflammbar“. Stroh für den Hausbau muss mit einer Dichte von ca. 90 bis 120 Kilogramm pro Kubikmeter gepresst sein. Die Restfeuchte sollte zwischen 16 und 18 Prozent liegen. Stroh verhält sich ähnlich wie andere Bio- Dämmstoffe. Eine 40 bis 50 cm starke gepresste Strohwand erreicht mit Leichtigkeit den Wärmedämmwert von 0,15 W/m²K. Dies erfüllt auch problemlos die Anforderungen an ein Niedrigenergiehaus.
Wo liegen nun die ungefähren Kosten beim Bau eines Strohballenhauses?
Ein Strohballenhaus ermöglicht es dem “Häuslebauer“ einen hohen Anteil an Eigenleistung zu erbringen. So gesehen, eignet es sich auch für den kleinen Geldbeutel. Der Bauherr sollte allerdings über ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick und etwas Durchhaltevermögen verfügen. Der teuerste Anteil dürfte dabei wohl der Kelleraushub und Kellerbau darstellen. Das Strohballenhaus selbst wird in relativ kurzer Zeit und recht problemlos in Ständerbauweise errichtet.
Für den Bau eines Strohballenhauses empfiehlt sich ein Architektenbüro mit Erfahrungen zu dieser Bauweise. Dort werden Sie ebenfalls fachkundige Hinweise in Bezug auf Möglichkeiten von Finanzierung und staatlichen Fördermitteln erhalten. Auch Adressen von Handwerkern, die mit derartigen Konstruktionen bereits Erfahrungen gesammelt haben, sind dort bekannt.
Häuser mit Strohballenkonstruktion sind in Deutschland noch relativ neu. So könnte es sein, dass Sie bei lokalen Baubehörden und Finanzierungsstellen Pionierarbeit leisten. Dabei kann es sich als hilfreich erweisen, im Hintergrund auf Experten zu verweisen, die auf die gestellten Fragen die richtigen Antworten geben können.




